Hohe Inflation bedeutet steigende Immobilienpreise

Conrad Meissler für den Hamburger "Klönschnack" und die "HafenCity-Zeitung"

Noch immer scheint es schwierig zu sein, die weitere Marktentwicklung bei den Wohnimmobilien einzuschätzen. Manche meinen neuerdings, dass ein richtiger Preisrutsch überhaupt erst noch kommen werde, während andere Experten glauben, dass sich die Kaufpreise auf dem gegenwärtigen Niveau stabilisieren werden. Letzteres würde voraussetzen, dass sich weder bei der Inflation noch in der Zinsentwicklung etwas ändert. Beides lässt sich schwer voraussagen, obwohl die Notenbanken unlängst mehrfach erklärten, am Kurs weiterer Zinsanhebungen festzuhalten. Dem steht die ganz aktuelle Entwicklung im Bankensektor gegenüber, dem angesichts der steigenden Zinsen die Luft auszugehen scheint. Denn viele Banken haben sich mit Anleihen, also eigentlich sicheren Staatspapieren, vollgesogen, deren Wert jedoch mit einem weiteren Zinsanstieg in der Sonne schmilzt wie Schnee. Die Bankenpleiten in den USA könnten insofern dazu führen, dass die Zinsen aus Vorsicht vor einer sich möglicherweise ausbreitenden Bankenkrise nicht mehr deutlich weiter angehoben werden. Dadurch könnten die Immobilienpreise wahrscheinlich sogar wieder steigen, obwohl die Inflation noch immer ungebrochen ist.


Die Zinsen selbst dürften auf lange Sicht ohnehin nicht mehr diesen Einfluss auf den Immobilienmarkt nehmen wie noch im letzten Jahr, als der Zinsanstieg allzu schnell und für viele äußerst ungewohnt verlief. Blickt man nämlich in die Vergangenheit, so wie es kürzlich die Analysten der Deutsche Bank Research getan haben, fällt folgendes auf. Während in dem von hoher Inflation belasteten Zeitraum 1970 bis 1980 die Konsumentenpreise um 64 Prozent stiegen, legten die nominalen Wohnimmobilienpreise sogar um rund 85 Prozent zu. Ähnlich war es während des Wiedervereinigungsbooms, als die Konsumentenpreise von 1989 bis 1994 um etwas mehr als 20 Prozent wuchsen, während die Hauspreise um fast 30 Prozent zunahmen. Eine Inflation ist nämlich wesentlich Ausdruck für hohe Nachfrage bei zu geringem Angebot. Aktuell weist bereits der forcierte Anstieg der Wohnungsmieten den Weg und in 20 Jahren werden Experten erneut feststellen, dass sich in den Jahren 2022 bis 2025 Immobilien mehr verteuert haben als alle anderen Waren und Güter.

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