KEINE IMMOBILIENBLASE IN 1A-LAGEN

Die Immobilienagentur Meissler & Co. vom Kaiserkai stellt sich neu auf. Die geschäftsführenden
Gesellschafter Conrad Meissler und Andreas Walther sowie der neue Co-Geschäftsführer
Stefan Purschke über den HafenCity-Start 2008, Marktpreise und digitale Kommunikation.

Herr Meissler, Herr Walther,Sie waren einer der ersten Gewerbetreibenden in der HafenCity und sind mit Ihrer Immobilienagentur Meissler & Co. seit 2008, seit nunmehr 13 Jahren, Am Kaiserkai 67 in direkter Nachbarschaft zur Elbphilharmonie. Was hat sich in dieser Zeit für Sie am nachhaltigsten verändert?

Conrad Meissler: Na, einfach alles. Unsere Neugier und das Arbeiten in Projekten Am Sandtorkai und hier Am Kaiserkai begann schon vor 2008 – insbesondere mit dem Baufeld der heutigen Adresse Am Kaiserkai 33, das wir eng begleitet haben. Heute ist die westliche HafenCity fertig, und wir haben von den Anfängen der wachsenden Stadt bis heute Monat für Monat und Jahr für Jahr die Fortschritte des Stadtteils miterleben dürfen. Das ist eine einmalige Erfahrung. Als die ersten Gebäude damals mit dem Tiefbau begannen, wie zum Beispiel das Haus der Lorenzen Mayer Architekten Am Kaiserkai 33, das bis heute heute mit seinen vorspringenden Erkern und dem Kontrast der dunklen Ziegelfassaden und der hellbronzenen Farbigkeit der Fenster und Wandpaneele überzeugt, war der Kaiserkai eine wilde Ansammlung von Sandbergen. Ich erinnere mich noch, wie ich meinen damals kleinen Kindern beim Spaziergang mit Hund über den leeren Kaiserkai sagte, dass hier bald viele Häuser stehen, reagierten sie total überrascht und gespannt und sagten: „Wow, das kann man sich ja gar nicht vorstellen." Tja, und nun ist es so gekommen, und die Hafen-City und die Elbphilharmonie sind aus Hamburg nicht mehr wegzudenken. Und die groß gewordenen Kinder und auch wir staunen irgendwie immer noch, dass tatsächlich ein vollkommen neuer Stadtteil entstanden ist. Und so ist es hier auch für uns seit 2008 als Meissler & Co. mit den Projektarbeiten, den Verkäufen und den Vermietungen kontinuierlich weiter- und aufwärts gegangen.

Was waren anfangs Ihre Zweifel?

Conrad Meissler: Es gab eher lauter Fragen: Wird es jetzt wirklich schön oder nicht? Wird es eine durch die Hafenindustrie geprägte kalte Atmosphäre geben? Oder können sich ein lebendiges Quartier und eine gewisse Form von Gemütlichkeit entwickeln? Das hat sich ja alles bestätigt, und wir freuen uns, dass es so gekommen ist – auch für unsere Arbeit als Immobilienagentur. Die Nähe zur Innenstadt und Speicherstadt, das einmalige Wohnen und Arbeiten am Wasser und die Qualität des entstehenden und im Osten immer noch wachsenden Stadtteils haben die Nachfrage und somit auch die Wertigkeit und die Preise nach oben gebracht. Gerade auch in Zeiten der Pandemie. Im Unterschied zu früheren Jahren ist die Nachfrage so groß, dass wir zum Beispiel in 2021 sehr schnell verkaufen konnten. Die Nähe zur Stadt, die Nähe zur Speicherstadt hat die Nachfrage nach oben gebracht, sodass wir, wenn wir mal wieder Wohnungen haben, die auch sehr schnell verkaufen.

Charakterisieren Sie die HafenCity heute in einem Satz.

Conrad Meissler: Für mich ist es ein Ausschnitt der modernen Welt wie in Asien.
Andreas Walther: Die HafenCity bietet mitten im guten alten Europa ein modernes maritimes Wohnen in einzigartiger Lage.

Haben sich Ihre unternehmerischen Ideen erfüllt?

Andreas Walther: Absolut. Das war der richtige Schritt, hierher zu gehen.

Welche Entwicklung im Stadtteil finden Sie besonders bemerkenswert?

Conrad Meissler: Spannend finde ich die Entwicklung des südlichen Überseequartiers, das ja in den vergangenen Jahren ganz verschiedene Konzepte erlebt hat, erst nur Büro und Einzelhandel, inzwischen eine Mischung aus Wohnen, Büro und stationärem Einzelhandel sowie Kultur und Entertainment. Ich kann wenig Kritisches sagen. Es ist halt ein immer noch wachsender Stadtteil, in dem sich der westliche Teil schon etabliert hat, während der östliche noch im Aufbau ist. Und genau in der Mitte des Stadtteils im Überseequartier liegt die futuristische U-Bahn-Station, die mich immer an „Raumschiff Enterprise" erinnert. Die HafenCity tut der ganzen Stadt Hamburg gut.

Andreas Walther: Natürlich haben wir alle in Hamburg auf die Fertigstellung der Elbphilharmonie gewartet. Sieben Jahre lang haben wir mitgezittert und haben durch unsere Lage direkt nebenan alles mitverfolgen können. Die Elbphilharmonie war die wichtigste und spannendste Entwicklung bislang in der HafenCity.

Das neue Westfield Hamburg-Überseequartier ist auch ein Leuchtturmprojekt für den Stadtteil, das Herbst 2023 eröffnen will. Vor allem Anwohner:innen und Einzelhandelsskeptiker sehen das kritisch. Zu viel (Lärm-)Emissionen, zu gigantomanisch mit rund 70.000 Besuchern pro Tag. Wie sehen Sie das?

Conrad Meissler: Sehr gelassen! Die HafenCity lebt doch davon, dass hier Menschen, dass Touristen unterwegs sind und die Straßen bevölkern. Also ohne das südliche Überseequartier, so ehrlich muss man sein, wäre es doch langfristig in der HafenCity trostlos. Ich freue mich darauf.

Sie sind neben der Hafen-City mit Ihrer Immobilienagentur vor allem in Ihren Stammgebieten vertreten, den Elbvororten und auch an der Alster. Was unterscheidet das Immobilienbusiness in den grünen Vororten von den Innenstadtlagen am Wasser?

Andreas Walther: An der Alster und in der HafenCity haben wir es mit der Vermietung und dem Verkauf von Eigentumswohnungen und in den Elbvororten mit dem klassischen Einfamilienhaus mit Garten und zum Teil sehr großen Grundstücken zu tun.

Muss man in den Vororten als Makler andere Fähigkeiten einsetzen als in der HafenCity?

Es geht immer um Schnelligkeit, Solidität, Zuverlässigkeit, um sehr guten Service, Menschlichkeit und Herzlichkeit, die häufig viel zu kurz kommt.

Die Immobilien-Miet- und-Kaufpreise steigen seit Jahren. Ist die HafenCity der teuerste Stadtteil Hamburgs?

Andreas Walther: Das hält sich die Waage mit der Alster. Es gibt natürlich Ausnahmeobjekte wie die Wohnungen in der Elbphilharmonie oder einzigartige Lagen und Objekte an der Alster, die absolute Spitzenpreise ermöglichen.

Gibt es unsittlich teure Quadratmeterpreise bei Eigentumswohnungen?

Nein, im Moment haben wir einen speziellen Markt mit wenig Angeboten und hoher Nachfrage – und die Menschen verfügen über sehr viel Liquidität. Es ist einfach wie immer, Angebot und Nachfrage regeln die Preise. Die Pandemie mit viel Homeoffice, was bleiben wird, und die derzeitigen Niedrigbauund Kontonegativzinsen führen dazu, dass sich Käufer:innen immer öfter dazu entschließen, sich den Wunsch zu erfüllen, mehr Platz zu haben, um über ein Arbeits- oder ein weiteres Kinderzimmer zu verfügen. Das führt dazu, dass zurzeit Preise zustande kommen, gerade für Drei- und Vierzimmerwohnungen, die vor Jahren noch unrealistisch waren.

Was ist aktuell ein realistischer Quadratmeterpreis für eine neue Eigentumswohnung? Mit den vom Hamburger Statistikamt erhobenen Durchschnittswerten von gut 8.000 Euro pro Quadratmeter kommt man in der HafenCity nicht weit.

Andreas Walther: In der Hafen-City liegt das häufig schon bei rund 10.000 Euro pro Quadratmeter und kann bei guten Wasserlagen schnell auf bis zu 18.000 Euro steigen.

Können nur noch Reiche eine Wohnung kaufen?

Andreas Walther: Das stimmt so pauschal nicht. Sogenannte Bestandswohnungen, die in Qualität und Ausstattung nicht absolut up to date sind, können Sie je nach Lage immer noch deutlich günstiger erwerben, egal ob in der HafenCity, an der Alster oder in den Elbvororten. Also auch deutlich unter 10.000 Euro pro Quadratmeter.

Was hat sich im Maklerbusiness unabhängig von den Preisen in den vergangenen Jahren verändert?

Andreas Walther: Die Vermarktungszeiten von Miet- und Eigentumswohnungen wie auch von Häusern haben sich deutlich reduziert. Die Immobilien, die reinkommen, sind häufig nach 14 Tagen wieder vermittelt. Dabei kommen die Objekte häufig gar nicht an den Markt, da wir zunächst unsere vorgemerkten Kunden bedienen. Unser Kernkapital der Vermarktung ist nach über 30 Jahren unsere ganz individuelle Kundinnen- und Kunden-Kartei. Wir schalten selten Objektanzeigen in Medien.

Bleiben die Preise 2022 stabil, oder platzt womöglich zeitnah die Immobilienblase?

Conrad Meissler: Es gibt keine Immobilienblase in 1a-Lagen, die hat es noch nie gegeben und wird es auch nie geben.

Warum nicht?

Conrad Meissler: Weil die Nachfrage ungebremst ist und viele Menschen in besten Lagen wohnen wollen. Ob in Hamburg, Berlin, München oder Düsseldorf, absolute Toplagen erzielen Toppreise. Die können in Einzelfällen mal um drei bis fünf Prozent sinken, aber nur, weil die Besitzer blitzschnell verkaufen müssen. Eventuell können sich umständehalber auch mal Vermarktungszeiten verlängern, aber es gibt keinen Weg zurück nach unten. Auch weil noch sehr viel „altes" Geld vorhanden ist, unter anderem durch Erbschaften.

Sie bauen Alster- und Ottensen-Geschäft mit einem neuen Zentralbüro in Ottensen neu auf. Warum?

Conrad Meissler: Bislang haben wir zum Beispiel Ottensen von unserem Büro in Nienstedten aus mitbetreut. Inzwischen ist jedoch die Nachfrage in Ottensen enorm gestiegen, auch weil inzwischen immer öfter Menschen von Blankenese oder Othmarschen näher an die Stadt ziehen wollen. Außerdem haben wir uns jetzt einen wunderschönen Standort sichern können, an dem wir uns mit der Vermarktung des Innenstadtgeschäfts und seiner angrenzenden Bereiche noch besser aufstellen wollen.

Mit dem Büro Ottensen stellen Sie sich mit Ihrem langjährigen Mitarbeiter Stefan Purschke in der Geschäftsführung neu auf. Warum?

Conrad Meissler: Wir hätten jeden unserer Mitarbeiter berufen können. Herrn Purschke zeichnet aus, dass wir schon seit über 13 Jahren hervorragend und eng zusammenarbeiten. Wir denken, dass er eine Lücke zwischen Herrn Walther und mir, den Gesellschaftern in der Geschäftsführung, schließen und uns frischen Wind bringen kann, unter anderem in den Bereichen Social Media und Video.

Herr Purschke, Sie übernehmen neue Gesamtverantwortung, unter anderem für den sogenannten digitalen Vermarktungsbereich. Warum?

Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen, die mir jetzt nach 13 Jahren im Unternehmen angetragen worden sind. Wir wollen
uns immer weiterentwickeln und sehen in dem Social-Media- und dem Videobereich spannende, neue zusätzliche Vermarktungspotenziale.

Wo liegen die?

Jahren noch das Anzeigengeschäft im Printbereich dominierthat, ist die elektronische
Kommunikation viel stärker in den Vordergrund getreten, mit Handys und Tablets hat die digitale Kommunikation die Regie übernommen. Unsere Objektaushänge werden zum Beispiel künftig immer einen QR-Code haben, um mit unseren Kundinnen und Kunden vor allem schnell und direkt in Kontakt zu kommen.

Wird das Maklerbusiness unpersönlicher?

Stefan Purschke: Nein, absolut nicht. Der persönliche Austausch ist durch nichts zu
ersetzen. Es wird aber immer wichtiger, es den Interessierten zu ermöglichen, schnellstmöglich mit uns in Kontakt zu treten. Und die digitalen Medien bieten da hervorragende und kreative Möglichkeiten.

Conrad Meissler: Man muss noch einmal betonen, dass wir die allermeisten Objekte diskret ohne Internet und nur durch unsere schon erwähnte riesengroße Kundenkartei vermitteln – mit rund 20.000 Kunden deutschlandweit, im Bereich von Luxusimmobilien von über drei Millionen Euro sind es circa 1.500 Kunden. Diese Reichweiten bekommen Sie durch keine Anzeige und keinen Internetservice.

Arbeiten Sie im Dunkeln?

Conrad Meissler: Nein, wir arbeiten leise und diskret! Und vor allem schnell und zielgenau. Wir können individuell maßgeschneiderte Angebote machen. Das ist auch unser Know-how.

Das Gespräch führte
Wolfgang Timpe

 

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