DAS JAHRZEHNT DES EIGENTUMS

Conrad Meissler in der "HafenCity Zeitung"
Möglicherweise werden eines Tages viele Menschen, insbesondere in Hamburg, auf die Vergangenheit zurück blicken und sich ärgern, warum sie keine Immobilien erworben haben, noch nicht einmal eine, in der sie selbst wohnen. Irgendwann nämlich könnte es mit dem tiefen Tal der Zinsentwicklung vorbei sein und ein Darlehen über 500.000 Euro könnte nicht wie heute bei einem Zinssatz von etwa 1,5 Prozent nur 7.500 Euro im Jahr, d.h. nur 625 Euro im Monat kosten, sondern vielleicht bei einem Zinssatz von 5,0 Prozent, wie er noch zu Beginn des Jahrtausends üblich war, 25.000 Euro im Jahr, d.h. gut 2.080 Euro im Monat.

Vielleicht ist es das Gefühl, in einer Mietwohnung sicherer, gut und günstig zu wohnen, weil Vater Staat alle möglichen Gesetze erfindet, um Mietern zu helfen. Vielleicht ist es die Angst vor Enteignung, die angesichts seltsamer Forderungen im politischen Raum um sich greift, der ganz viele vor dem Kauf einer Immobilie zurückschrecken lässt. Ganz sicher aber scheint es der hohe Mangel an Wohnraum in den meisten Lagen Hamburgs zu sein und dazu das Gefühl, dass die Preise inzwischen viel zu hoch seien. Doch vor allem der letztere Eindruck scheint zu täuschen, denn das Institut der Deutschen Wirtschaft hat in einer Studie dargelegt, dass eigener Wohnraum trotz der gestiegenen Preise günstiger ist als gemieteter. Im Schnitt habe die Miete in Hamburg im dritten Quartal 2018 bei 10,27 Euro je Quadratmeter gelegen, während die Kosten für Eigentümer durchschnittlich nur 6,31 Euro je Quadratmeter betrugen und damit 39 Prozent weniger. Hamburg lag im Bundesvergleich mit diesem hohen Kostenvorteil an der Spitze aller deutschen Großstädte.


In die Berechnungen wurden weder Tilgung noch Reparaturen einbezogen, da sie der Vermögensbildung und dem Vermögenserhalt dienen, was beim Mieten nicht stattfindet. Der Vorteil der Eigentümer mag im Einzelfall weniger hoch sein, wenn man Mieten von nur 6,00 oder 7,00 Euro berücksichtigt, wie sie noch in vielen Hamburger Lagen vorkommen. Doch langfristig werden die Mieten weiter steigen. Die Erkenntnis über diese Entwicklung und die wachsende Furcht vor den sinkenden Renten im Alter wird in den kommenden 10 Jahren mehr Menschen mit dem Erwerb einer Immobilie anfreunden als in der zurückliegenden Dekade seit Beginn der Niedrigzinsphase. Auch insofern wird die Nachfrage nach Wohnimmobilien künftig sehr hoch bleiben.

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