DAS VERTEILERPRINZIP

Conrad Meissler im "Klönschnack"
Sollen wir uns als Makler beklagen müssen? Dafür, dass wir bei Wohnimmobilien, die wir zum Kauf vermitteln wollen, manchmal monatelang Besichtigungen durchführen, ohne Erfolg, ohne Honorierung. Dafür, dass wir jedem unseren Kunden mit Rat, Marktwissen, Expertise sowie schriftlichen Bewertungen ihrer Immobilien zur Verfügung stehen, ohne dafür Rechnungen zu stellen. Dafür, dass wir angebotene Immobilien bewerben, im Internet, in Zeitungen, oft monatelang, ohne die wirkliche Sicherheit, die sicheren Kosten jemals wirklich einspielen zu können. Nein, wir beklagen uns nicht für einen Job, der uns sehr viel Einsatz und Engagement abverlangt, sehr viel Interesse, ständige Fortbildung und laufende Akquisition voraussetzt, der uns mit vielen Menschen zusammenbringt und der von uns verlangt, dass wir in der Regel Menschen bei ihrer wichtigsten Lebensentscheidung, dem Kauf einer eigenen Wohnimmobilie, helfen. Wir beklagen uns auch nicht, dass wir für die Behörden Überwachungsaufgaben gegen Geldwäsche oder Meldeaufgaben bei der Personenidentifizierung übernehmen müssen. Wir führen auch keine Klage, dass andere Dienstleister, Anwälte, Mediziner, Steuerberater, unabhängig von dem Erfolg ihrer Leistungen honoriert werden müssen. Denn unser Beruf macht uns Spaß, bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten und ernährt unsere Familien.

Doch beklagen müssen wir uns, wenn die Politik öffentlich erklärt, dass unsere Leistungen nichts wert seien und wir einen Höchstsatz unserer Courtage zu akzeptieren hätten. Es ist die gleiche Politik, die seit Jahren die Grunderwerbsteuer ohne Gegenleistung anhebt und damit jeden Immobilienkauf weiter verteuert. Die Politik meint, die Früchte unserer Leistungen verteilen zu können, an diejenigen, die von unserer Leistung profitieren. Denkt man sich derartige Eingriffe weiter, drohen künftig neben dem Mindestlohn Preisfestsetzungen für Lebensmittel, Automobile oder andere Dinge des täglichen Lebens. In Wahrheit geht es bei der Einführung des „Bestellerprinzips" nicht um eine neue Aufteilung von Courtagen, sondern um ein Verteilerprinzip unter direktem Eingriff in die gesetzlich verankerte Vertragsfreiheit. Das allein sollte beklagt werden.
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