NEUBAU HILFT

Conrad Meissler in der "Welt / Welt am Sonntag"
Zum Jahresbeginn legen diverse Institute die Ergebnisse ihrer Recherchen in den Immobilienmärkten vor. Während in der Vergangenheit zum Teil höchst unterschiedliche Ergebnisse und Markteinschätzungen veröffentlicht wurden, hat sich allmählich ein Trend überwiegend richtiger Einschätzungen manifestiert, der den Märkten tatsächlich entspricht. Abweichend ist eine Analyse der DB Research, der Analyse-Einheit der Deutschen Bank, die immerhin auch von der Deutschen Bundesbank ernst genommen wird. Abweichend ist, dass hier erstmals von einem nur geringen Bevölkerungswachstum in Hamburg gesprochen wird, nämlich von nur einem Plus von 0,7 Prozent zwischen 2009 und 2015. Doch leider hat das Institut übersehen, dass im Zuge des Mikrozensus, der großen Bevölkerungszählung im Jahr 2011, die Einwohnerzahlen in Hamburg deutlich nach unten korrigiert werden mussten, nämlich auf 1,707 Mio. Einwohner. Bei 1,79 Mio. Ende 2015 ergibt sich ein Anstieg der Bevölkerung um fast fünf Prozent und mit 2016 sogar um sechs Prozent. Das klingt immer noch nicht viel, bedeutet aber, dass Hamburg seit 2009 zum Beispiel um eine ganze Stadt wie Flensburg und deren Umgebung gewachsen ist.

Die Analytiker stellen weiter fest, dass die Wohnimmobilienpreise mit allein acht Prozent in 2017 in Hamburg zwar deutlich gestiegen, jedoch unter dem Wachstum von knapp zwölf Prozent in allen anderen großen deutschen Metropolen geblieben sind. Auch beim Mietpreiswachstum rangiert Hamburg bezogen auf die Dynamik hinter den anderen Metropolen der Republik. Erklärt wird der in Hamburg verzeichnete, geringere Preisanstieg mit der niedrigen Bevölkerungsentwicklung sowie dem im Vergleich zu anderen Metropolen viel stärkeren Neubau. Wir glauben, umgekehrt wird die Analyse richtiger. Es ist der Neubau, der bei dem Erreichen des Ziels eines niedrigeren Preisanstiegs hilft. Denn wir haben eine sehr starke Nachfrage in der Vergangenheit gesehen und werden diese auch künftig sehen, weil die Hamburger Einwohnerzahl kräftig wächst. Außerdem erscheint uns eine Verteuerung von Wohnimmobilien in nur einem Jahr um acht Prozent keine Kleinigkeit, sondern Beleg dafür, dass es trotz des umfangreichen Neubaus noch immer an ausreichendem Wohnraum in der Hansestadt mangelt.
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